„Krisenhilfe Ytu“

Auch bei uns hier in Paraguay sind entgegen jeglicher rationaler Fakten die Leute genauso hysterisch wie in Deutschland. Nun hat Deutschland bisher noch die Möglichkeit, über Kurzarbeitergeld oder sonstiger finanzieller Hilfen die dort Lebenden zu unterstützen. Hier sind die Einschränkungen (wegen dieser komischen Grippe 🙂 ) zwar genauso stark, allerdings gibt es vom Staat nur unter ganz strikten Auflagen einmalig 500.000 Gs. (ca. 70€). Als deshalb Vanessa vor kurzem eine Whatsapp Gruppe „Krisenhilfe Ytu“ gründete, machten wir natürlich mit. In dieser Gruppe konnten Europäer etwas spenden, unser kleiner Supermercado im Ytu richtete Tüten mit Salz, Zucker, Milch, Reis, Bohnen, usw., allerdings KEIN Klopapier :-). Mit der gespendeten Summe konnten wir über 200 dieser Hilfspakete bestellen. Seit drei Tagen fuhren Jasmin und Esperanza, zwei Schwestern, nun mit ihren Motos sämtliche Wege ab und notierten sich die Namen und Cedulanummern (Ausweis) der Hilfsbedürftigen. Mit Motos deshalb, weil es bei uns im Ytu noch Leute gibt, die abseits jeglicher Straßen ohne Strom und fließendem Wasser leben.

Heute morgen war es dann soweit; wir trafen uns mit 3 Autos, die allesamt bis unters Dach mit den Tüten vollgepackt wurden.

Vanessa beim Beladen unserer Camioneta.

Auch unsere Ytu eigene Policia war mit von der Partie, allerdings benutzten sie ihr Auto nicht als Lastesel, sondern führten unseren kleinen Konvoi als Vertretung der Staatsmacht an ;-).

Ganz rechts unser Comisario Froilan, der es sich nicht nehmen ließ, persönlich zu kommen.

Entgegen unserer Befürchtungen war das Ganze von den drei Paraguayerinnen Raquel, Jasmin und Esperanza super organisiert, jeder Bedürftige hatte eine persönliche ID-Nummer bekommen 🙂 und sie standen schön anständig in der Schlange, gaben ihre Nummer an und holten ihre Pakete ab.

Da wir die Ausgabestellen alle auf den Hauptweg gelegt hatten, mussten einige Leute etliche Kilometer zu Fuß aus den Seitenwegen kommen. Raquel sorgte dafür, dass der obligatorische Abstand von 2 Metern eingehalten wurde, und so ging die ganze Aktion in für paraguayische Verhältnisse unglaublichen 2 Stunden über die Bühne.

Als wir am Ende ankamen, waren, oh Wunder, alle Pakete verteilt und da wir einigen Alten, die nicht auf der Liste standen, trotzdem etwas gaben, fehlten uns 7 Tüten, die jedoch nachgeliefert werden. So funktioniert Paraguay halt, da der Staat nicht sehr präsent ist, was sehr sehr viel Gutes hat, wird Nachbarschaftshilfe noch groß geschrieben und gelebt. Nichtsdestotrotz hoffen wir inniglichst, dass dieses unnötige, sinnlose Gehabe demnächst ein Ende hat, denn sollten die Leute über kurz oder lang nicht arbeiten und Geld verdienen dürfen, werden sie auf die Barrikaden gehen.

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1 Response to „Krisenhilfe Ytu“

  1. Jeanette sagt:

    Wow, was für eine Hammerleistung! Habt ihr toll gemacht <3

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